Seit langer Zeit bereits dachte ich über eine Reise in das Himal-Hochland von Nepal nach. Die konkreten Planungen musste ich in den letzten Jahren immer wieder abbrechen, zu schwer war es, dieses Vorhaben umzusetzen und alle Mitreisenden meiner Drei-Länder-Expeditionsgruppe unter einen Hut zu bekommen. In diesem Sommer ist es dennoch endlich soweit gewesen.

Ich bin gespannt auf den mir fremden Kontinent und die Naturgewalten und erleichtert, dass ich nicht in das langweilige Österreich reisen muss, dass im Sommer von Millionen Rentnern annektiert wird.

Ende August bin ich über Frankfurt und Dubai nach Kathmandu geflogen. Dort treffe ich die schweiz-österreichisch-deutsche Expeditionsgruppe, mit der ich bereits häufig in Südtirol, der Schweiz und 2005 am Baikal unterwegs war. Von Kathmandu wollen wir aufbrechen Richtung Annapurna Himal Massiv, um uns dort auf den Weg zu einen 5400 Meter hohen, leicht begehbaren Seitenkamm des 6900 Meter hohen Machapuchare, zu machen. Danach überqueren wir die chinesische Grenze und wollen mit der Lhasa Bahn bis Peking fahren, von wo es dann zurück nach Deutschland geht.

Es ist der 27. August. Kathmandu. Über Nacht bin ich von Frankfurt via Dubai angereist. Ich fühle mich überraschend frisch und vermute, dass es die Aufregung ist, die mich wach hält. Mit dem Kathmandu Airport Express will ich also nach Kathmandu weiterreisen. Diese 90 Minuten vergehen wie im Flug. Schon nach kurzer Zeit lerne ich eine alte Frau kennen, die überraschend gutes Englisch spricht.

Im Zug nach Kathmandu freunde ich mich mit einer alten Frau an.

Sie erzählt von Ihrem Sohn, der in London studiert hat. Sie sagt das mit Stolz und betont, dass von tausend junge Nepalesen vielleicht zehn die Möglichkeit bekämen, im Ausland zu studieren. Es würde den Jungen mit familiären Druck sehr schwer gemacht, Nepal eine Weile Richtung Westen zu verlassen. Nein, diese Tradition verstehe Sie nicht, sie sei stolz und der Sohn werde schon irgendwann nach Hause kommen.

Wir freunden uns schnell an und Sie lädt mich ein, die erste Nacht Gast in ihrem Haus zu sein. Ich sei kaum älter als Ihr Sohn, sagt Sie und fühlt sich in der Pflicht, mir eine erste Bleibe anzubieten. Meine Zusammenkunft mit dem Rest der Gruppe ist ohnehin erst am nächsten Tag, so sage ich also zu. Sie wohnt sehr klein, es findet sich jedoch Platz für mich.

Das kleine Haus der alten Dame

Die Wohnung bietet eine prächtige Aussicht über die nepalesische Bergwelt und die Hauptstadt. Und es gibt sogar eine einfache aber gute Mahlzeit, dazu Erzählungen aus vergangenen Zeiten.

Total erschöpft schlafe ich ein und wache auf nach einem zwölf Stunden Schlaf. Ich bedanke mich für die höfliche Unterkunft, wir verbeugen uns einige Male und dann steige ich hinab in das Zentrum von Kathmandu.

Kathmandu am Morgen

Die Szenerie wirkt wie die einer asiatischen Metropole, die irgendwo außerhalb der Berichterstattung der großen Medien liegt. Dennoch: Auch hier Spuren der Globalisierung. Plagiate westlicher Marken werden Allerorts angeboten, Mobiltelefone gehören ebenso zum Straßenbild wie junge Mädchen mit westlichem Modestil. Ein bisschen komme ich mir vor wie in einem Vorort von Paris oder London. Dennoch: Hellhäutige scheinen hier nicht zum üblichen Alltagsbild zu gehören. Überall stehen Gruppen nepalesischer Mädchen die mich erst mustern und beim vorübergehen kichern und lächeln.

Immer wieder flirten westlich gekleideten Nepalesinnen mit meiner Kamera

Bunt verziert sind hier die Häuser, zeigen kleine Geschichten aus der Welt fernöstlicher Mythologie. In einem Reiseführer lese ich, dass die furchteinflößenden Bilder böse Geister von den Häusern fern halten sollen.

Bemalte Hausfassenden mit mythologischen Motiven sollen die bösen Geister Nachts von den Häusern fern halten

Nach eineinhalb Stunden komme ich in das Hotel, in dem ich die anderen treffe.

Unser erstes Hotel in Kathmandu

Wir fallen uns in die Arme, haben uns 2008 in Bern das letzte Mal voneinander getrennt. Alle sind gut erholt und voller Aufregung vor dem morgen startenden Trip.

Die zweite Nacht in Kathmandu geht schnell vorbei, um sechs Uhr früh holt uns bereits ein Bus ab, der uns weiter hoch in Gebirge fährt. Es soll eine fast elfstündige Fahrt werden und bei Anblick des Busses ahnen wir, was auf uns zukommt.

Ein alter Unimog bringt uns nur beschwerlich bis in Gebirge

In den ersten Stunden ist die Stimmung ausgezeichnet. Wir unterhalten uns und erinnern gemeinsam an alte Abenteuer. Für diese Tour haben sich alle besonders vorbereitet und es gibt keinen Zweifel: Alle sind fit.

Bei der Fahrt ins Gebirge ist die Stimmung in der durch und durch trainierten Gruppe ausgezeichnet

Nepal ist ein sehr spirituelles Land. Immer wieder kommen wir an kleineren Tempeln vorbei.

Kleine buddhistische Tempel zeugen von der Spiritualität dieses Bergvolks

Und überall bei unserer Fahrt durch die Provinzen: Buddhas in allen Größen.

Und auch die bunten Buddhas am Wegesrand sind unsere ständigen Begleiter

Die letzten Stunden unserer Fahrt sind anstrengend, alle wollen nur noch ankommen. Mit dreistündiger Verspätung wegen einer Muräne im steiler werdenden Gebirge kommen wir nach vierzehn Stunden total erschöpft an der Klosteranlage am Fuße des Annapurna Massivs an.

Wir sind erschöpft: Ankunft nach vierzehn Stunden Höllenritt

Das prachtvolle Kloster überwältigt uns, wir werden freundlich begrüßt.

Die Klosteranlage überwältigt uns

Nach einem ausgiebigen Abendessen bei dem wir über unsere Heimat erzählen müssen, lädt man uns ein, die Geschichte des Klosters kennenzulernen. In einem Klosterflügel erzählt eine Fotowand die Geschichte des Klosters und der Mönche, die hier früher einmal lebten.

Fotos dokumentieren die buddhistische Tradition

Erschöpft fallen wir dennoch auch heute in unsere Betten. Früh um sechs ziehen wir dann los: Start in unser Annapurna Abenteuer. Bevor wir aufbrechen, rollt ein Mönch eine Schriftrolle vor uns aus.

Das lesen der alten Schrift soll die ganze Gruppe auf Ihrem Abenteuer beschützen

Das lesen dieser Zeilen bringe der ganzen Gruppe Glück für die bevorstehenden Strapazen, sagt er. Jimmy, der Spitzname unseres Sherpa-Begleiters, liest laut vor und die Mönche applaudieren und lachen fröhlich.

Man verabschiedet uns fröhlich

Zum Schluss erhalten wir Kopfbedeckungen, die in der Nacht getragen werden sollen, um die Berggeister fernzuhalten. Wir bedanken uns beschämt und lassen selbst einen 4GB USB-Stick da. Dann machen wir uns auf den Weg.

Wir sind beschähmt über unsere Geschenke und lassen zum Dank einen 4GB USB-Stick da

Die Route ist überraschend gut erschlossen. Überall am Weg hängen Karten, die den Aufstieg beschreiben. Wir sind fast ein wenig enttäuscht, wie sehr der Tourismus in dieses Gebiet vorgedrungen ist.

Karten weisen uns zuverlässig den Weg

Der Weg ins Gebirge ist immer wieder gesäumt von bunten Fähnchen und Gebetsmühlen.

Gebetsmühlen ...

Und auch die Yaks der Bauern begleiten uns die ersten Tage auf dem Weg nach oben.

Auch Yaks begleiten uns auf dem Weg hinauf

Wir treffen immer wieder Sherpas anderer Expeditionen und pilgernde Buddhisten.

Fromme Sherpas...

und Mönche kommen uns entgegen

Es ist der dritte September. Als wir morgens aufwachen wissen wir, dass heute der Hauptteil unserer Reise ansteht. Der Aufstieg auf fünftausendvierhundert Meter. Wir müssen keine Steilhänge erklimmen und das Ganze hat eher den Charakter von sehr ambitioniertem Wandern. Dennoch macht uns die dünne Luft zu schaffen. Erschöpft aber mit guten Beinen steigen wir morgens um vier aus unseren Zelten.

Vor unseren Zelten bereiten wir uns auf den letzten Aufstieg vor

Jimmy hat uns im Sherpazelt einen letzten Kaffee vor dem Aufbruch bereitet. Wir genießen kurz die Aussicht und machen uns dann auf den Weg.

Ein letzter Kaffee im Sherpa-Zelt bevor es losgeht

Je höher wir kommen, desto schlechter werden die Wege, wir haben Mühe vorwärts zu kommen.

Alte Wege erschweren uns das Vorwärtskommen

Ein Hubschrauber der nepalesischen Armee fliegt über unsere Köpfe. Wir ahnen, dass etwas passiert sein muss. Nicht auf unserem Pfad, aber vielleicht Bergsteiger am Hauptgipfel des Annapurna.

Ein Rettungshubschrauber über unseren Köpfen

Nach zehn Stunden spüre ich meine Hände kaum noch. Es geht immer noch Bergauf. Obwohl das Gelände kaum anspruchsvoll ist, macht der Schnee zu schaffen.

Nach zehn Stunden schwinden mir die Kräfte

Endlich ist das Ziel in Sicht. Unser Sherpa Jimmy scheint fit zu sein wie am Morgen, kommt oben als erster an.

Endlich ist der Gipfel in Sichtweite

Überglücklich kommen wir an und verweilen fast eine Stunde. Wir sind nicht auf dem Dach der Welt, aber sehr nah dran.

Einsam, fast auf dem Dach der Welt

Wir steigen ab, als ein einsamer Mönch auf dem Gipfel ankommt. Er grüßt uns fromm und es scheint, als würde ihm die Luft genauso wenig zu schaffen machen wie Jimmy.

Beim Abstieg treffen wir einen Mönch auf dem Weg nach oben

Der Abstieg erfolgt auf der anderen Seite des Berges. Wir wollen zur chinesischen Grenze, um mit der Lhasa Bahn in einigen Tagen weiter zu fahren nach Peking. Auch hier ist der Weg sehr schlecht erschlossen.

Auch nach unten geht es nur mit Mühe

Und auch hier säumt sich der Weg mit Buddhas und Gebetsfahnen.

Buddhas...

...und Gebetsfahnen machen auch uns fromm

Nach drei Tagen und Nächten im Gebirge erreichen wir auf etwa dreitausend Metern die chinesische Grenze.

Kurz vor der chinesischen Grenze

Auf der anderen Seite patrouillieren chinesische Grenztruppen. Seit hier in Tibet im Jahr 2008 Unruhen ausbrachen, ist der Grenzübertritt auch für Trekking-Gruppen alles andere als unkompliziert.

Mititärpräsenz an der chinesischen Grenze

Leider erwischt die bürokratischste Form der Grenzabfertigung auch uns. Nach vierstündiger Kontrolle dürfen wir die Grenze dennoch übertreten. Wir sind nun in China und blicken zurück nach Nepal: Auf seine fremden und doch so globalisierten Menschen, auf Sherpas und fromme Nepalesen, auf Buddhas und den Rausch der Höhe.

Auf chinesischem Gebiet blicken wir zurück nach Nepal

Schön war es, Wehmut erfüllt unseren Abend. Doch die vor uns liegende Weiterreise wird sicher auch ein Erlebnis.

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